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Postcarding Lower Styria

Nation, Sprache und Identitäten auf Postkarten der Untersteiermark (1885-1920)

In etwa demselben Zeitraum, in dem die Untersteiermark, der südliche Teil des Kronlandes Steiermark, zum Schauplatz von so genannten Nationalitätenkonflikten wurde, etablierten sich Postkarten als ein populäres Massenkommunikationsmittel. Ausgehend davon fragt das Projekt danach, welche Rolle Postkarten für die Wahrnehmung dieser traditionell von Zweisprachigkeit bestimmten Region spielten. War die Untersteiermark bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts von der friedlichen, wenn auch asymmetrischen Koexistenz des Deutschen und des Slowenischen geprägt gewesen, so begann sich dieses Miteinander in den letzten Jahrzehnten der Habsburger Monarchie zusehends aufzulösen. Deutlich wird dies an der Formierung nationalistischer Vereine und den Versuchen, die Bevölkerung national zu homogenisieren und für das eigene nationale Lager zu vereinnahmen. Sprache war nicht mehr nur bloßes Kommunikationsmittel, sondern wurde zum Emblem der eigenen nationalen Zugehörigkeit und Identität.

Dennoch, und hier setzt das Projekt an, lebten und kommunizierten Slowenisch- und Deutschsprachige weiterhin miteinander in diesem gemeinsamen Raum. Sie stellten keineswegs hermetisch geschlossene ethno-linguistische Gruppen dar, wie dies die jeweiligen traditionellen Geschichtsnarrative gerne tradierten.

Ausgangspunkt des Projekts ist, dass Postkarten als Quelle in den Geschichtswissenschaften möglicherweise eine andere Geschichte erzählen können als diese traditionellen, politischen und historischen Narrative. Die Besonderheit dieses alltagsnahen Mediums liegt darin, dass es sowohl visuelle wie sprachliche Repräsentationen des von Slowenisch- und Deutschsprachigen bewohnten Raums in Umlauf brachte. Die vorwiegend topografischen Ansichten von Orten, Regionen oder touristischen Attraktionen wurden von den jeweiligen VerlegerInnen mehrheitlich mit deutschen, aber auch mit slowenischen oder zweisprachigen Drucktexten versehen. Zugleich wurden sie von VertreterInnen beider Sprachen handschriftlich beschrieben und versendet. In einem gewissen Sinne diente das Kartenformat somit als eine „Bühne“, auf der Ansprüche auf das gemeinsame Territorium formuliert werden konnten. Spuren von Sprachenkampf und Nationalitätenkonflikten sind dabei zuweilen ebenso sichtbar wie selbstverständliche Zweisprachigkeit und alltägliches Nebeneinander. Mithilfe von Postkarten lässt sich so eine „linguistic landscape“ (Landry/Bourghis) der historischen Region erstellen, die wesentliche Informationen über Macht- und Statusverhältnisse der beiden konkurrierenden Sprachen liefern und Einblick in sprachliche, soziale und nationale Identitätsbildungsprozesse geben kann.

Projekt

Merangasse 80/II
8010 Graz

Telefon:+43 (0)316 380 - 2437

Projektleitung

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr.phil.

Heinrich Pfandl

Merangasse 70/1
8010 Graz

Telefon:+43 (0)316 380 - 2525

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